Vernissage der Ausstellung „Herbes sans noms – namenlose Gräser“
von Heike Renz am 06.02.2025 in der Galerie der Stadt Herrenberg
Sehr verehrter, lieber Herr Reith,
liebe Heike Renz,
sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich, Sie heute anlässlich der Auftaktausstellung in das Jubiläumsjahr mit dem Titel „Herbes sans noms – namenlose Gräser“ von Heike begrüßen zu dürfen, und ich heiße Sie herzlich willkommen hier in der Galerie der Stadt Herrenberg.
Seit ihrer Gründung 1975 unter der Ägide von Prof. Dr. Helge Bathelt ist die Galerie der Stadt Herrenberg aus der Kulturlandschaft des Oberen Gäus nicht mehr wegzudenken. Sie hat sich als feste Größe im kulturellen Leben etabliert und bietet regelmäßig hochkarätige Ausstellungen zeitgenössischer Kunst aus Baden-Württemberg, Deutschland und darüber hinaus. Das Programm umfasst ein breites Spektrum an Kunstgattungen, von der Malerei über die Grafik und Fotografie bis hin zur Bildhauerei. Die Werke, die in unterschiedlichen Stilen, Techniken und Materialien geschaffen werden, beschäftigen sich nicht nur mit ästhetischen Aspekten, sondern auch mit gesellschaftlichen, historischen und politischen Themen.
Neben dieser Galerie trägt auch die Galerie im Kulturzentrum der Volkshochschule Herrenberg maßgeblich zur kulturellen Vielfalt der Stadt bei. Ihr Schwerpunkt liegt auf der grafischen Kunst und Fotografie, wobei sie regelmäßig gesellschaftliche, historische und politische Fragestellungen aufgreift.
Ein fester Bestandteil des Programms sind zudem die Jahresausstellungen des Herrenberger Kunstvereins sowie die Präsentationen von Schülerarbeiten, die die bürgernahe Ausrichtung der Ausstellungen unterstreichen. Beide Galerien laden jährlich zu etwa zwölf Ausstellungen ein und bieten den Besuchern die Möglichkeit, hochwertige Kunst zu erleben, sich inspirieren zu lassen, zum Nachdenken angeregt zu werden und zu genießen.
So wie heute in dieser hier gefeierten Werkschau von Heike Renz auch.
Zitat –
„Alles ist im Fluss, und jedes Bild wird gestaltet, während es vorübergeht.“
Mit diesen Worten von Ovid möchte ich in das Werk von Heike Renz einführen.
Heike Renz führt in dieser heute zu feiernden Ausstellung vibrierende Werkserien in Aquarell, Acryl- und Mischtechnik vor Augen, in der sie die Kraft und die Poesie der Natur auf das Papier oder die Leinwand bringt.
Anhand der Landschaftsmotivik werden Farben zur reinen Anschauung. Und so erreicht Heike Renz ihre Bildaussagen mit dem Material koloristischer Mittel, die sie als wohlgeordnetes Instrumentarium von außerordentlicher Klangfülle und feiner Nuancierung einsetzt.
Das Eigenleben der Farbe entwickelt die Künstlerin anhand der Vorlagen aus der Natur. Dabei kommen die unterschiedlichen Kompositionsweisen der Künstlerin zum Tragen: von einer fast Bühnenartigen Anordnung bis hin zu einer flächigen, vielfältig sich vernetzenden Strukturierung aus Linien, Zeichen und Farbwerten.
In einem schnellen, konzentrierten und von Spontaneität geprägten Malprozess entwickelt Heike Renz Landschaften in Aquarell, Tusche Acryl und Mischtechnik. Es entstehen in dieser Technik Impressionen aus der Natur etwa eine starkbunte Sommerblumenfülle, eine in matt-grauen Ockertönen variierende Sumpf- und Seenlandschaft, in diversen Blautönen gehaltene Winterlandschaften sowie filigrane frühlingsfrische Variationen von Gräsern in satten Grüntönen oder eine in warme Gelb- und Rottönen gehaltene Herbstschwüle.
Heike Renzens Malerei umfasst eine Farbsubstanz, die von äußerster Zartheit bis berstender Stärke und pulsierenden Flächen zeugt. Sie verführen den Betrachter auf sensible Art und Weise, andererseits setzt die versierte Acrylmalerin und Aquarellistin den Betrachter in einen Farbenrausch. Die Kunst von Heike Renz ist in höchstem Maße eine sinnliche Kunst. Ihre Werke erzeugen einen eigenen, durchrhythmisierten Farbraum, in dem sich der Betrachter versenken und ganz der empfindenden Anschauung hingeben kann.
Mit einer an Zeitlosigkeit gemahnenden Unerschütterlichkeit und kompositorischen Ausgewogenheit gelingt es Heike Renz, Bilder von atmosphärischen Sehnsuchtsorten und autopoetische Bildwelten zu erzeugen, in denen sie den Fokus je nach Bildmotiv unterschiedlich einmal in Fernsicht, einmal in Nahsicht legt. Dabei hebt sich der Abbildungscharakter in satten bis wässrig-fließenden Farbwolken auf und macht dem subjektiven Eindruck zugunsten einer Bildwelt in starkbunten bis feinnuancierten nuancierten Farbklängen Platz.
Die Strukturen ihrer Bilder öffnen sich zu einer eigentümlichen Transparenz: Fühlte man sich bei ihren erdigen Gespinsten ihrer Herbst-, Winter- und Seegräser in eine windumtoste Landschaft versetzt, ist der Farb- und Bildraum ihrer Frühlings- und Sommergräser nun ganz geöffnet, gegen ein amorphes, endloses Dahinter.
Das Bild selbst versteht Heike Renz als Momentaufnahme zwischen Formauflösung und Formfindung sowie Werden und Vergehen. Erinnerungs- und Gedankensplitter ergeben dabei ganz eigene, verfremdende, eben erspührte Bildlandschaften der Künstlerin. Und so hat jedes ihrer Bilder auf subtile Weise auch mit dem Tod zu tun. Wir stehen als Betrachter schließlich Zeugnissen des Flusses des Lebens in seinen wechselnden Erscheinungen gegenüber, wie ihn unnachahmlich Hermann Hesse im finalen Kapitel seines Siddhartha beschreibt.
Ich möchte nunmehr meine Einführung in die Aquarelle und Acrylarbeiten unter dem Titel „herbes sans noms – namenlose Gräser“ von Heike Renz mit den Worten von Marcel Prousts, die er in seinem epochalen Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ niederschrieb, enden:
-Zitat-
„Was wir die Wirklichkeit nennen, ist eine bestimmte Beziehung zwischen Empfindungen und Erinnerungen.“
Und so geht es Heike Renz nicht um ein realistisches Abbild der sichtbaren Wirklichkeit, sondern um den erinnerten, erlesenen und in eine vibrierende Farbigkeit übersetzen Eindruck. So führt uns die Künstlerin verfremdend unscharfe und dabei farbintensive oder auch tonige Bilder vor Augen, die zunächst scheinbar flüchtig hingeworfen erscheinen, die jedoch bei genauerer Betrachtung als Erinnerungs- und Gedankensplitter aufwarten.
Die farbduftige Bildwelt, die Heike Renz entwirft, ist nicht eindimensional oder simpel, sondern immer vielschichtig – destilliert aus ihrem Geist, sodann subjektiv verdichtet.
Erheben wir nun das Glas auf die heute hier gefeierte Künstlerin Heike Renz und auch auf das 50jährige Bestehen der Galerie der Stadt Herrenberg. Auf fünf Jahrzehnte voller kreativer Entfaltung, inspirierender Ausstellungen und kultureller Bereicherung für Herrenberg.
Die Galerie hat es verstanden- so ist und war immer ihr Anspruch - den Dialog zwischen Kunst und Publikum zu fördern und neue Perspektiven zu eröffnen. Sie ist ein Ort der Begegnung und Inspiration – für Künstler, Kunstliebhaber und all jene, die sich von der Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen berühren lassen. Insofern Es bleibt mir nun, Ihnen viel Freude und entdeckungsfreudiges Schauen und Genießen von Heike Renzens virtuosen Umgang mit Farben, Linien, Strukturen und Formen in der hier und heute gefeierten Auftaktausstellung von Heike Renz in das Jubiläumsjahr zu wünschen.
- Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. –
Elena Hocke M.A.
06.02.2025